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Security

Boston - Bomben - VorratsdatenspeicherungDatum: 16.04.2013
Wie zu erwarten werden nach dem gestrigen Bombenattentat in Boston wieder Schreie laut, die eine Vorratsdatenspeicherung verlangen. Hat es denn in den USA geholfen?

Der bekannte CDU/CSU-Politiker Hans-Peter Uhl, der bereits mehrfach versucht hat seine Ziele durchzusetzen, schreit am lautesten. Denn nur mit einer Überwachung aller Bürger könne man auch alle Bürger schützen. So oder so ähnlich könnte er es gesagt haben.

Mit der Vorratsdatenspeicherung würde man dem Staat die volle Kontrolle über alle Telekommunikationsmedien verleihen. Wäre man damit wirklich sicher vor Anschlägen? Wie das traurige Beispiel Boston von gestern zeigt: nein. Denn die Behörden haben dort noch wesentlich mehr Mögichkeiten und Befugnisse, Kommunikationsdaten zu überwachen.
Es bleibt also die Frage, ob man im Vorfeld solche Aktivisten erkennen und finden könnte.

Inzwischen ist die Netzgemeinde aber zusehends amüsiert über die Äußerungen und Forderungen von Herrn Uhl. "Die Zeit, die von einer beliebigen Straftat bis zur Forderung der Vorratsdatenspeicherung verstreicht, bezeichnet man als 'Uhl'", kursiert beispielsweise auf Twitter.

Viele Politiker sind siich nicht im Klaren darüber, was eine Vorratsdatenspeicherung eigentlich ist und wofür man sie braucht.
Nehmen wir da Wort einmal auseinander:

  • Vorrat
    Laut dem Duden:
    etwas, was in mehr oder weniger großen Mengen zum Verbrauch, Gebrauch vorhanden, angehäuft ist, zur Verfügung steht

    Bedeutet also, daß man erst etwas besorgen muss damit man es auf Vorrat hat.

  • Datenspeicherung
    anfallende Daten von Telekommunikationen werden zentral oder dezentral gespeichert

Es läuft also darauf hinaus, daß man die Daten, welche gesammelt wurden, erst später ansehen kann. Folgerichtig: NACH dem Ereignis.

Es ist schön zu wissen, daß man die Täter dann ggf. schneller findet. Für die Justiz ein toller Pluspunkt. Erinnert ein wenig an Minority Report - nur andersherum.
Andererseits jedoch nützen den Opfern diese Umstände recht wenig. Für sie wäre es sinnvoll gewesen, den Anschlag zu verhindern.
Dies kann ja nur dann geschehen, wenn jemand diese Flut an Daten überwacht, aussortiert, filtert und analysiert.

Bei der Comicserie "Die Simpsons" gibt es in einer Folge eine schöne Szene. Dort wird geschildert, wie die NSA arbeitet. In der Folge sitzen in einem riesigen Kellerraum hunderte Mitarbeiter, die alle auf ihre Monitore starren und Daten analysieren. Irgendwann schreit einer von ihnen "ich hab was". Was als Kommentar des obersten Bosses zur Folge hat Prima, dann haben sich die Mrd US$ ja doch gelohnt wenn wir immerhin einen gefunden haben" (nicht ganz Wortgetreu, aber vom Sinn her).

Stellen wir uns die Frage "was müssen wir alles überwachen?"

  • Telefon
  • Mobilfunk
  • Internet (Downloads, Webseiten)
  • Chats (Skype, Twitter, ICQ)

Ausserdem muss bedacht werden, daß nicht jeder Attentäter sein Vorhaben auf Twitter postet (Ausnahmen gibts ja doch immer wieder). Es werden also Verschlüsselungen verwendet. Diese gilt es dann zu knacken - Stichwort Bundestrojaner.

Wann darf das passieren? Wer darf das machen? Bei wem dürfen wir mithören / mitlesen? Auf welche Warnhinweise müssen wir achten damit eine Überwachung als sinnvoll gelten kann? Wer sichert uns zu, daß es nicht ausgenutzt wird? Habe ich als Bürger ein Anrecht darauf, die gespeicherten Daten einzusehen wie das zB bei Facebook der Fall ist?

Es gibt noch viele weitere Fragen die gestellt und beantwortet werden müssen. Einfaach laut aufschreien wie Herr Uhl das tut ... das kann jeder.